Apotheken als Hitzeschutzinseln: Nah dran, wenn es heiß wird

Hitze ist längst keine seltene Ausnahmesituation mehr, sondern ein fester Bestandteil unserer Sommer. Mit jeder Hitzewelle steigt das Risiko für gesundheitliche Probleme – insbesondere für ältere Menschen, chronisch Kranke, Kinder, Schwangere und sozial benachteiligte Gruppen. Genau hier können Apotheken einen entscheidenden Unterschied machen: als niedrigschwellige Hitzeschutzinseln mitten im Alltag ihrer Patientinnen und Patienten.

Apotheken sind wohnortnah, vertraut und ohne Termin zugänglich. Viele Menschen kommen ohnehin regelmäßig wegen ihrer Medikation oder kleinen Beschwerden vorbei. Dieser ohnehin bestehende Kontaktpunkt lässt sich nutzen, um Hitzeschutz ganz praktisch erlebbar zu machen. Eine „Hitzeschutzinsel“ ist nicht nur ein klimatisierter Raum, sondern ein Ort, an dem Betroffene sich kurz ausruhen, abkühlen, etwas trinken und qualifizierte Beratung erhalten. Für vulnerable Personen kann bereits ein kurzer Stopp in der kühlen Apotheke den Unterschied machen zwischen Kreislaufstabilität und einem hitzebedingten Notfall.

Das Konzept lebt dabei von zwei Säulen: einer geschützten Umgebung und aktiver, pharmazeutischer Begleitung. Im ersten Schritt geht es darum, die eigenen Räumlichkeiten und Abläufe hitzeresilient zu gestalten. Dazu gehören kühle Zonen im Verkaufsraum, Sonnenschutz und eine zuverlässige Klimatisierung, aber auch die sichere Lagerung temperaturempfindlicher Arzneimittel. Gleichzeitig sollte das Team selbst geschützt werden – etwa durch angepasste Dienstpläne, ausreichend Trinkmöglichkeiten und besondere Rücksicht auf gefährdete Mitarbeitende, etwa im Botendienst.

Die zweite Säule ist die Beratung. Gerade bei Hitze sind viele Patienten unsicher: Wie viel sollte ich trinken? Was bedeutet Hitze für meinen Blutdruck? Muss ich bei Diuretika, Psychopharmaka oder bestimmten Herzmedikamenten etwas anpassen? Hier sind Apothekerinnen und Apotheker gefragt, ihre klinisch-pharmazeutische Kompetenz auszuspielen – sei es über ein strukturiertes Medikationsmanagement, kurze Hinweise am HV-Tisch oder eine gezielte Empfehlung, wie Patientinnen und Patienten mit Hitzewarnungen umgehen sollten. Einfache Informationen zu Lüften und Kühlen, zu angepasster Kleidung, Tagesrhythmus und Warnsignalen für hitzebedingte Beschwerden können viel bewirken, wenn sie verständlich und niedrigschwellig vermittelt werden.

Anschauliche Materialien unterstützen diesen Prozess: Plakate im Schaufenster, Aufsteller, Flyer oder kleine Checklisten zum Mitnehmen machen deutlich: „Hier sind Sie willkommen, wenn es zu heiß wird“. Ein sichtbares Signal – etwa ein Logo oder ein Hinweis „Hitzeschutzinsel – kommen Sie gerne zum Abkühlen herein“ – senkt die Schwelle, tatsächlich einzutreten. Kombiniert mit Angeboten wie kostenlosem Leitungswasser in Akutsituationen, einer Blutdruckmessung oder einer kurzen Hitzeschutzberatung entsteht ein echter Mehrwert für die Bevölkerung.

Motivierend ist, dass Apotheken diese Rolle nicht allein ausfüllen müssen. Sie können sich mit Hausarztpraxen, Pflege- und Sozialdiensten, Kommunen oder Nachbarschaftsinitiativen vernetzen. So wird die Apotheke Teil lokaler Hitzeschutzstrukturen: Sie weist auf kommunale Kühlräume oder Trinkbrunnen hin, spricht gefährdete Stammkundschaft gezielt an und meldet zurück, wo besondere Bedarfe bestehen. Auf diese Weise entsteht ein dichtes Netz an Anlaufstellen – mit der Apotheke als gut sichtbarem und verlässlichem Knotenpunkt.

Für die pharmazeutische Praxis bietet das Konzept „Apotheke als Hitzeschutzinsel“ eine große Chance: Es verbindet klassische Versorgungsaufgaben mit präventiver Gesundheitsförderung und konkretem Klimaanpassungshandeln. Jede Apotheke kann in ihrem Rahmen beginnen – mit einem kühlen Sitzplatz und einem gezielten Beratungssatz am HV. Aus vielen kleinen Schritten wird eine starke Botschaft: Wir sind da, wenn Hitze zur Gesundheitsgefahr wird. Und wir nutzen unsere pharmazeutische Expertise, um diejenigen zu schützen, die uns am meisten brauchen.

Alles auf einen Blick

Das Wärmeempfinden und die Wäremebelastung sind komplexe Vorgänge und von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Durch die höhere Temperatur muss der Körper sich abkühlen, in der Regel geschieht dies durch Schwitzen. Durch starke Belastung oder zu wenig Flüssigkeitszufuhr kann der Körper den Wasser- und Salzhaushalt nicht mehr regulieren und gerät aus dem Gleichgewicht.
Die Folge sind eine Überhitzung oder Kreislaufkollaps.

Hitze hat verschiedene Auswirkungen auf die Organe:

  • Gehirn: das Risiko für cerebrale Erkrankungen steigt; verschlechterte mentale Gesundheit; erhöhte Aggressivität
  • Herz: Belastung des Herz-Kreislaufsystems steigt; Verschlimmerung kardiovaskulärer Vorerkrankungen und erhöhtes Risiko für Herzinfarkte
  • Lunge: erhöhte Belastung und dadurch steigende Gefahr von Asthmaanfällen; erhöhte Ozonkonzentration verschlimmert Atemwegserkrankungen
  • Nieren: erhöhte Wahrscheinlichkeit von Niereninsuffizienz
  • Schwangerschaft: frühgeburtrate steigt während Hitzewellen; Risiko für ungünstige Geburtsereignisse und verringertem Geburtsgewicht steigt

In Städten zeigt sich der sogenannte „Wärmeinsel-Effekt“: in dicht besiedelten Gebieten & versiegelte Flächen sorgen für ein Aufheizen tagsüber und kein Abkühlen in der Nacht. 

Die Folge ist ein Hitzestau und Hitzestress.

Ganz vermeiden lässt sich die Hitze im Sommer nicht mehr. Ziel ist es die warmen Tage erträglich zu gestalten und das Risiko hitzebedingter Folgen zu minimieren.

  1. Sportliche oder auch körperliche Aktivitäten am morgen oder abends
  2. Direkte Sonneneinstrahlung möglichst meiden und sich im Schatten aufhalten. Ein entsprechenden Sonnenschutz auftragen.
  3. Sonnenhut, eine Cappy und eine Sonnenbrille helfen dem Körper gegen starke Sonneneinstrahlung
  4. Trinken, Trinken, Trinken! Vor allem Wasser oder Elektrolythaltige Getränke. Vermeiden sollte man Alkohol, Kaffee oder zuckerhaltige Getränke, da diese dem Körper Wasser entziehen. Ebenfalls ist bei sehr kalten Getränken vorsicht geboten, da diese den Magen belasten.
  5. Richtiges Lüften in der Wohnung: am besten spätnachts oder frühmorgens. Dazu Vorhänge, Jalousie und Fenster über den Tag geschlossen halten.
  6. Kühle Dusche oder Fußbäder helfen um vor Überhitzung zu schützen
  7. Achten auf Mitmenschen. Sprechen Sie Menschen an, wenn Sie das Gefühl haben, dass es jemanden nicht gut geht und helfen Sie, indem die Person in den Schatten begleitet wird und im Idealfall Wasser zu trinken bekommt.

Die Auswirkungen auf den Körper sind individuell und die Folgen unterschiedlich schwerwiegend.

Mögliche Symptome

  • Übelkeit
  • Schwindel
  • Kopfschmerzen, Fieber
  • Benommenheit: Kann sich äußern durch Verwirrtheit, Desorientierung und kann sich im schlimmsten Fall zu Krampfanfällen und Ohnmacht ausbreiten.
  • Heiße, gerötete Haut. Gleichzeitig aber wenig schwitzen

Als aller erstes gilt sofort die Sonne meiden und einen schattigen, kühlen Platz aufsuchen. Daneben ist die Flüssigkeitszufuhr wichtig, bei ersten Anzeichen gilt auch, sofort Wasser oder elektrolythaltige Getränke zu sich zu nehmen. Wenn die Möglichkeit besteht, kann man den Körper auch mit einer kühlen (nicht eiskalten!) Dusche oder einem Fuß- bzw. Handgelenksbad abkühlen.

Bei starken Symptomen, Verwirrtheit, Krämpfen oder Erbrechen sofort den Notarzt verständigen. Bei leichten Symptomen, die sich nicht bessern, sollte ebenfalls ein Arzt aufgesucht werden.